Maßanzug auf vier Rädern

PKW, Autos, Karren, Kutschen sind an sich nicht problematisch. Fängt man jedoch an, über die Kutscher nachzudenken, ergibt sich schnell eine gewisse Verworrenheit.

Natürlich sagt die Physiognomie eines Menschen, seine Mimik, seine Bewegungen, sein Tonfall usw. viel über ihn aus, meist mehr als genug. Darüberhinaus ’sprechen‘ aber auch die Gegenstände, die jemand um sich scharrt.

Ich will das hier kurz am Beispiel des ‚Mitsubishi Space Star‘ verdeutlichen. Der Wagen ist 100’000 Kilometer problemlos gelaufen, fährt immer noch einwandfrei und wird wohl noch ein paar Meilen machen. Mit 80 PS und 1,2 Liter Hubraum kommt man mit ihm sehr gut voran, vorausgesetzt man nimmt nur zwei Hunde mit.

Der Luxus an dem Fahrzeug sind Leichtmetallräder, CD-Player, eine Klimaanlage, ein Bremskraftverstärker und eine Servolenkung und natürlich elektrische Fensterheber vorn und hinten. Vor 30 Jahren war das noch fett, heutzutage ist das Standard.

Ansonsten wirkt der Space Star ziemlich simpel zusammengeschraubt, das Blech ist weicher als das Plastik eines Yoghurtbechers. Bei Überlandfahrten mit Tasche und zwei Hunde macht der kleine ‚Asiate‘ jedoch viel Freude. Zum Überholen muss man gelegentlich an die Drehzahlgrenze (6000 U/min), was das Leben des Dreizylinders gut in Erinnerung bringt.

Für lange Autobahnfahrten und vollbesetzt ist der Mitsubishi jedoch wenig geeignet. Da ich jedoch fast ausschließlich Landstraße fahre und kaum mehr als meine Hunde mitnehme, ist der Mitsubishi Space extrem zufriedenstellend.

Führe ich eine größeres und/oder schnelleres Auto, könnte ich mein Geld gleich in den Mülleimer werfen. Der Space Star ist also für mich absolut zweckmäßig. Ich bringe mit ihm also meine Neigung zur Zweckmäßigkeit zum Ausdruck. Das ist mir bewusst und gut so.

Ich könnte auch einen schönen Wagen fahren wollen. Aber was ist ‚Schön‘? Was will man mit dem Fahren eines ’schönen‘ Fahrzeugs sagen? Außer sich nur daran zu erfreuen? Zu sagen: „Der ist nur für mich, was die Anderen denken, das ist mir egal“, das halte ich für schwierig, weil die ’schöne‘ Karre, wenn sie denn bewegt wird, überwiegend von ‚den Anderen‘ wahrgenommen wird.

Aber ich sehe schon, der Text wird zu lang, die Hälfte der Leser hat schon kapituliert (zu Recht), ich bin noch immer nicht auf dem Punkt – ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende, unternehmen Sie ruhig mal eine lässige Überlandfahrt und fragen Sie sich, was Sie mit Ihrem Untersatz so sagen, was Sie vielleicht gar nicht sagen wollen.

In diesem Sinne, Ihr Ihnen positiv zugewandter Jörg Baumann