Traumschleuder – Traumwelten

Es gibt Menschen, in denen glimmt noch ein Restfunken an Faszination für das Auto. Es gab Zeiten, da wünschte ich mir einen Volvo 144, leicht angerostet, mit 300 PS unter der Haube. Die 300 PS sollten allerdings so verbaut sein, dass man sie von außen nicht erkennt. Fachleute nennen soetwas einen ‚Wolf im Schafspelz‘. Ich liebe Wölfe im Schafspelz. Mein (unerfüllter) Traum wäre eben ein Volvo wie genannt gewesen, in verblichenem Orange oder Hellblau, der insgesamt so wirkt, als hätte man ihn für 500 Euro vom Schrottplatz gekauft.

Das ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte.

Dargestellt wird nun kurz die deutsche Fassung dieser Traumvorstellung, nämlich ein Mercedes 200 E, mit einem 8-Zylinder Motor und 270 PS, leicht angerostet, silber, unscheinbar.

Dieser Mercedes stellt ungefähr das beste an Automobil dar, was man als Fachmann für Autofahren und Stil kaufen kann. Leider zeigen die Bilder dieses Mercedes‘, wie er hier dargestellt ist, nicht die Rostblumen und Roststellen und Beulen des Fahrzeugs, was vermutlich daran liegt, dass der Fotograf nicht verstanden hat, worauf es im finish bei einem Wolf im Schafspelz ankommt. Amateure im finish rüsten irgendeinen Neuwagen, einen Passat oder Ähnliches, mit einem 300 PS-Motor aus. Aber das ist ‚Der Wolf im Schafspelz‘ für Anfänger.

‚Der Wolf im Schafspelz‘ für wirkliche Fachleute ist jedoch nicht nur irgendein Durchschnittsmodell, sondern sieht auch noch offensichtlich in die Jahre gekommen aus – Rostblumen sind zwingend, offene Roststellen sowieso, eine fehlende Zierleiste ein Zierde. Beulen sind gut und rostige Stahlfelgen sowieso. Jeder Blinde muss auf den ersten Blick sagen: „Ey, die Karre kommt vom Schrott.“

DAS ist der Wolf im Schafspelz, getarnt, unerkannt, unterschätzt, mitunter eine augenöffnende Begegnung. Also hoffen wir, dass unser Fotograf bald aus dem hohen Norden zurückgekehrt sein wird und uns ein Abbild der Wirklichkeit liefert, wie wir es gerne sehen würden.

Mit Hoffnung auf die Zukunft, verbindlichst, Ihr Jörg Baumann

Epilog:

‚Der Wolf im Schafspelz‘ sagt aus: „Leck mich am Arsch“ (Schaf) und „wenn Du es wirklich willst, such‘ Dir ’n Anderen“ (Wolf). Mit einem getunten, unterklassigen Neuwagen wirkt dieses Ansinnen irgendwie wie nicht ganz ausgegoren, verwässert, nicht zuende gedacht. Lassen Sie uns die Sache demnächst zuende denken, bzw. zeigen wie sie ist.