Feuer und Flamme für nichts

Ich denke, einen ‚Wolf im Schafspelz‘ kann man dann fahren, wenn man das Thema ‚Superherokarre‘ und ‚Superrakete‘, Traumwagen usw. für sich ad acta gelegt hat – und dennoch Auto fährt. Die Dinge, die wir um uns scharen, vor allem die Autos, die wir fahren, sagen viel über uns aus.

Man stellt sich vor, man ist der und der und entsprechend muss die passende Karre her. Meine ich, ein Superheld zu sein, dann muss halt die Superheldenkarre her; ebenso, wenn ich ein ‚kleines Würstchen‘ bin und gerne ein Superheld wäre.

Ist mir egal, ob ich ein kleines Würstchen oder ein Superheld oder irgendwas dazwischen bin, dann ist mir auch egal, was ich für ein Auto fahre.

Zum Beispiel einen Mercedes 200 E.

An sich nichts Besonderes. Eine teutonische Mittelklasseschleuder – weder gut noch besonders schlecht. In Silber, als Limousine, irgendwas zwischen Unsichtbar und nicht vorhanden. Stilistisch zwischen nichts und garnichts. So kommt er daher, der Mercedes 200 E. Baujahr irgendwann in den 90ern des letzten Jahrhunderts.

Also die Karre ist im Grund so grottenschlecht (gekrönt von den Frontscheinwerfern, die von Susi Schneewitchen gestylt worden zu sein scheinen), dass Nichtworte die passenste Beschreibung geben würden.

Schaut man jedoch auf das Interieur und etwas genauer auf die Karosse, dann bemerkt man, dass man es hier doch nicht ganz mit Nichts zu tun hat.

Innen lässt es sich im 200 E durchaus leben,

Details der Karosse versprechen eine solide Grundlage.

Wie Sie sehen, zeigt dieses Modell brauchbare Ansätze für einen wirklichen Wolf im Schafspelz. Wäre er nicht tiefer gelegt, würde das noch mehr für ihn sprechen. Der wahre ‚Wolf im Schafspelz‘ ist nicht irgendeine Nullschleuder frisch vom Band, die durch veränderte Auspuffendrohre und Räder und Tieferlegung und Schweller und all dem Krempel alles wieder kaputt macht, was einen Wolf im Schafspelz kennzeichnet. Der Wolf im Schafspelz sieht original so aus, wie eine Karre, die für 500 Euro vom Schrottplatz geholt wurde. Und eben gerne einen Mercedes Benz der Mittelklasse, denn dieser sieht dann so richtig schön runtergerockt aus.

Hat er dann noch acht Zylinder und 280 PS unter der Haube, dann kommen wir unserem Ideal schon ganz, ganz nahe. Der Keule, die aussieht wie ein zerbissener Bleistiftstummel.

Und worauf kauen Sie so rum?