Alles nicht mehr wie es war

Als Kind und Jugendlicher träumt man von besonderen Autos – Ferrari, Lamborghini, Porsche, irgendwelchen Amischleudern, auf jeden Fall von Karren, die sehr teuer sind, meist schwer und schnell. Das relativiert sich dann mit dem Älterwerden. Nun ist es ein Mercedes E 200, ein Audi A 6, ein 5er BMW oder alles eine Nummer kleiner.

Für solche eine Schleuder, einem Porsche 928 aus der ersten Modellreihe, reicht das Budget in den meisten Fällen (leider) nicht aus. Der Unterhalt eines solchen Fahrzeugs, wenn man es im Alltag benutzt, ist enorm. Selbst für deutsche Einkommensverhältnisse.

Dennoch freue ich mich ein wenig für die Menschen, die einen 928 im Alltag bewegen dürfen. Leider ist dies viel zu selten der Fall. Zwei Hunde kann man darin locker mitnehmen (wenn es keine Bernhardiner sind) und stabil und sicher ist der Porsche ebenfalls. 8 Zylinder, ca. 230 PS, da kommt schon Freude auf.

Das alltägliche Bewegen eines spektakulären PKW hat jedoch nicht nur Freude im Windschweif, sondern, neben den hohen Unterhaltskosten, eine ganze Reihe von Schattenseiten. Offensichtlich hat man mit Diebstahlsgefährdung zu tun. Kann passieren, dass man aus dem Supermarkt kommt und ein Ex-Porsche-Besitzer ist. Die Wahrscheinlichkeit, das gestohlene Fahrzeug zurück zu bekommen, geht gegen Null. Zuhause braucht man dann noch einen sicheren Garagenplatz.

Ein weiteres Manko sind mögliche Reparaturen, gerade am Motor. Da das Aggregat z. B. des 928 kein Rasenmähermotor ist, bedarf es eines ziemlich guten und spezalisierten Sachverstands, tut der Motor nicht das, was er soll, bzw. das, was er nicht soll.

Zu diesen Problemen kommt das des Neids der Mitmenschen. Es kann passieren, dass man allein schon deshalb gehasst wird, weil man ein Auto fährt, das die meisten nicht fahren und das einen hohen Prestigewert hat. Man zieht also nicht nur Autodiebe an, sondern auch noch den Hass.

Der wesentlichste Einwand gegen die alltägliche Benutzung eines prestigeträchtigen PKW ist jedoch das, was man mit der Benutzung eines solchen Wagens zum Ausdruck bringt. Auf der Autobahn ’sagt‘ man seinen Vorderleuten: ‚Rechte Spur bitte‘ und da auf deutschen Straßen nicht nur Flachzangen unterwegs sind, hat man mit einer Rakete von Porsche dort relativ freie Bahn. Der Einwand ist, dass man mit solch einer Karre ziemlich ‚dick aufträgt‘. Man unterscheidet sich von den meisten anderen Autofahrern. Die Frage ist, warum man sich unterscheiden will. Ist einem entweder nicht bewusst, dass man sich unterscheidet (dann ist man dumm) oder will man sich bewusst unterscheiden, dann bleibt die Frage nach dem Warum.

Wenn ich teurere, aufwendigere, kompliziertere, wertvollere Dinge an mich binde als der große Rest der Gemeinschaft, dann werte ich damit indirekt die anderen Menschen ab. Und dann kann man daraus schließen, dass man sein Selbst durch die Abwertung der Anderen aufwerten will. Hieraus wiederum kann man schließen, dass es mit meinem Selbstwertgefühl nicht gut aussieht. Frage also: Will man nach außen transportieren, dass man mit Selbstbewusstseinproblemen zu kämpfen hat? Wohl eher nicht.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass außerordentliche Fahrzeuge, wie z. B. die oben genannten, von einem aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts besser gemieden werden, bzw. nicht im Straßenverkehr bewegt werden. Der Preis in Euro und der Preis des Ansehensverlustes und der Preis der dargestellten Psychopathologie ist einfach zu hoch.

Da man für diese Fahrzeuggruppe eh am besten reichlich Ressourcen im Hintergrund hat, stellt man sich soetwas am besten ins Wohnzimmer. Denn als Designobjekte sind bestimmte Modelle der Autoindustrie nahezu unschlagbar.

Also, wann bauen Sie an?