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Sicher kann das Sprechen über Dinge unterhaltsam sein. Man hängt mit irgendjemandem zusammen und äußert sich. Sich äußern – etwas von innen gelangt nach außen.

Dann hört man sich und die Leute reden – über das Wetter, das Essen, irgendwelche anderen Menschen, über Dinge. Weiß Ihr Gegenüber, dass er oder sie bei jeder Äußerung über irgendeinen Gegenstand oder was auch immer etwas über sich aussagt? Was meinen Sie? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich meine Gesprächspartner nicht darüber im Klaren sind, dass sie, wenn sie zum Beispiel etwas zum Thema Auto sagen, in erster Linie etwas über sich aussagen.

Die Menschen teilen sogar ohne Worte ihr Inneres mit, ohne Worte, allein dadurch, dass sie bestimmte Dinge mit sich führen. Und was spricht eine deutlichere Sprache als so eine riesen Blechkiste, wie zum Beispiel ein Auto?

Meine Wahrnehmung ist die, dass die Menschen in erster Linie ihre inneren, unbewussten Defizite nach außen transportieren. Sind zum Beispiel Fahrer und Fahrerinnen von SUV besonders selbstsicher? Sicher nicht. Das Gegenteil ist wohl der Fall – und das Verrückte dabei ist, dass diese Hirnis sich dessen nicht bewusst sind. Sie wollen Stärke demonstrieren und was ist das Ergebnis? Genau das Gegenteil – ein misslungener Versuch also.

O. k., ich stelle das mal als Lacher der Woche hin.

Heute Nachmittag kamen mir ein paar Gedanken zu einem 1000 PS Auto in den Sinn – will der Kutscher solch eines Mobils etwa zum Ausdruck bringen, dass er 1000 Pferde auf einmal zu bändigen versteht? Wenn das nicht alles so mickrig wäre, könnte ich tatsächlich drüber lachen.

Wer fährt in solch einem Auto? Geheimagent 007? Vermutlich läuft der Fahrer mit angezogenen Boxhandschuhen durch die Fußgängerzone. Vermutlich tut er das nicht, aber warum eigentlich nicht?

Im Grunde werden die meisten Autos so gestylt dass sie ein bestimmtes Defizit der zukünftigen Käufers zum Ausdruck bringen. Nur ist den Käufern nicht klar, dass sie mit dem vordergründigen Statement ihres Vehikels genau das Gegenteil zum Ausdruck bringen.

Das nüchtern gestaltete Auto kauft der, der meint alles unter Kontrolle zu haben, der jedoch in erster Linie Angst vor seinen Gefühlen hat. Das Auto mit vielen Applikationen und viel Firlefanz für den Phantasielosen. Das protzige Auto für den, der sich zuwenig beachtet fühlt. Der Panzer für den Angsthase. Die Rakete für den, der in allen Belangen langsam ist. Die Schlaukopfkarre für den Dummen. Das besondere Auto für den öden Typen usw., usw.

Jedes hervorstechende Merkmal eines Autos zeigt, ins Gegenteil verkehrt, die besondere psychische Auffälligkeit des Fahrers oder der Fahrerin. Und einige sind halt mehr, die anderen weniger psychisch auffällig, letztlich verhaltensauffällig.

Denken Sie jetzt über einen Modellwechsel nach? Man kann sich halt schlecht verstecken – auch nicht durch andauerndes Gelaber über etwas.

Vielen Dank und eine angenehme Restwoche wünscht Ihnen Ihr Jörg Baumann.