Arme Sau…

Auto fahren finde ich prima! Ich habe es warm und trocken, ich kann während des Fahrens Musik oder Radioberichte hören, kann rauchen, Kaffee trinken und meine Hunde können auch mit. Das finde ich bestens, außerordentlich bequem und luxuriös. Dabei kostet mein Auto im Unterhalt knapp wenig mehr, als kein Auto zu fahren. Mein Auto hat mich während der mit ihm gefahrenen 80’000 Kilometer nicht hängen lassen. Was will ich mehr?

Ich denke, dass alle, die ein größeres Auto fahren als einen Kleinstwagen, ein dringender Fall für den Psychiater sind und ich bin froh, keiner dieser Kandidaten zu sein. Wenn ich zuviel Geld habe, dann gebe ich es denjenigen, die weniger haben und die irgendwas brauchen, z. B. ein Auto. In den letzten Jahren finanzierte ich so drei Fahrzeuge, die alle nicht mir gehören, die alle größer und schneller sind. Ja – warum nicht den Wahnsinn der anderen unterstützen. Die Anderen fragten mich ja nicht nach psychotherapeutischer Hilfe, sondern nach Geld für ein Auto. Na denn, raus damit.

Wer mehr als einen Kleinstwagen fährt, und dies nicht tut, weil er Massen transportieren muss oder jeden Tag 300 Kilometer auf der Autobahn zurücklegt, der ist für mich ungefähr geistig behindert. Ich wette, dass keiner der Leute mit den 1000 PS Autos fröhlicher sind, während sie ihr Fahrzeug bewegen, als ich.

Für mich wäre mehr als ein Kleinstwagen auch das völlig falsche Image. Ich bin nicht ganz uneitel und möchte deshalb nicht so gerne als Volltrottel angesehen werden, schon von weitem selbst für Blinde erkennbar. Muss nicht sein.

Je näher der Tod an mich herantritt, desto unwichtiger werden Autos, die einer bestimmten Marke, einem bestimmten Baujahr, von irgendeinem namenhaften Designer oder sonstwas herstammen. Alles Blödsinn.

Schneller als 95 Kilometer pro Stunde zu fahren, halte ich eh für eine Zumutung. Auf der Autobahn, gut, o. k., aber ich nehme die Autobahn sowieso als Zumutung wahr, da muss man dann halt mit 140 im Schnitt unterwegs sein.

Am besten finde ich Landstraßen, irgendwo jenseits der großen Städte. Und da lässt es sich mit einem Kleinstwagen vorzüglich unterwegs sein.

Wer meint, dass er vom Status her einen großen Wagen fahren muss, ein äußerst beliebtes Argument, der ist ohnehin auf der vollständig falschen Lebensbahn unterwegs. Aber ich denke Sie machen das anders. Was mir für heute bleibt, ist, Ihnen viel Freude und Spaß an Ihren Ausfahrten zu wünschen, bis zum nächsten Mal, Ihr Jörg Baumann.